Die NABU-Wiese in Düsseldorf-Flehe gleicht einer Wundertüte; sie hat bisher im Frühjahr jedes Jahr anders ausgesehen. Das ist wahrscheinlich einerseits dem Klimawandel geschuldet, andererseits der zunehmenden Abmagerung der Böden, weil nicht gedüngt wird. Das wäre wie Gift für die ausgesäten Pflanzen.
Die Lehmseite des Feldes entwickelt sich immer mehr zu einem sogenannten Magerrasen – ein nährstoffarmes Habitat mit trockenheitsliebenden Pflanzen wie der allgegenwärtigen Magerwiesen-Margerite, der Schafgarbe, dem Feld-Ehrenpreis, Horn-Quellenkraut und Weichen Storchschnabel. In diesem Jahr ist auch noch das Tüpfel-Johanniskraut aufgelaufen und unter Heckenbüschen haben sich Heidenelken angesiedelt. Sie könnten allerdings auch aus Samenbeständen von früher einmal angebauten Kultur-Nelken stammen. Der kleine Wiesenknopf hat sich von einem auf 11 Exemplare vermehrt und drängt jetzt vom Rand her auf die Wiese. Das gleiche gilt für Hasen- und Feld-Klee. Ein Phänomen ist die Kuckucks-Lichtnelke. Während sie in den ersten zwei Jahren nur sehr vereinzelt zu sehen war, hat sie dieses Jahr Hochkonjunktur gehabt. Sie wuchs auf fast der gesamten Lehmseite. Durch ihre strahlend rosa Blüten und den hohen Wuchs war sie kaum zu übersehen. Das anfangs feuchte Frühjahr ist ihr sehr entgegen gekommen.
Ein Highlight war der Kleine Klappertopf, der sich durch wen auch immer angesiedelt hat. Er ist ein Halbparasit und hält die Gräser, Margeriten und den Klee in Schach. Größere Vorkommen sind auf der anderen Rheinseite im Uedesheimer Rheinbogen zu finden. Die Pflanze ist ein willkommener neuer Mitbewohner auf der Wiese und bereichert sie.
links: Heidenelke (Dianthus deltoides); Mitte: Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor); rechts: Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)
Die nährstoffreiche, ursprünglich sehr torfreiche zweite Seite der Wiese ist mittlerweile so weit abgemagert, dass sich der Glatthafer dieses Jahr an manchen Stellen etabliert hat. Noch wird die Seite von verschiedensten Gräsern dominiert, doch man sieht immer mehr gelbe Tupfer vom Scharfen Hahnenfuß und auch der Rotklee wächst langsam herüber. Auch ein paar weiße Lichtnelken strahlen durch das Grün der Gräser.
Aktionen in 2025:
Im Winter haben drei Schüler im Rahmen Ihres Sozialprojekts beim NABU Düsseldorf den im Jahr zuvor angefangenen Steinwall mit Natursteinen aus einem nahegelegenen Steinbruch fertiggestellt und davor ein Sandarium angelegt. Das NABU-Team hat die Pfähle eines Insektenhauses gekürzt und das Haus an einer passenderen Stelle aufgestellt.
links: Neuaufstellung des Insektenhauses; rechts: Fertigstellung des Steinwalls
Im März haben die Schüler einen Faulbaum (Rhamnus frangula) an den Rand der Hecke gesetzt. Später wurden zwei eingegangene Pfaffenhütchen durch Kreuzdorne (Rhamnus cathartica) ersetzt. Der Faulbaum ist sehr schnell angewachsen und hat kurze Zeit später bereits geblüht.
Ende Mai fand eine Insektenexkursion auf dem Feld statt. Da es noch nicht gemäht war, mussten Gänge für die Teilnehmenden durch die Vegetation gemäht werden.
links: Setzen des Faulbaums; Mitte: blühender Faulbaum; rechts: Vorbereitung für die Insektenexkursion
Wie sich die Lebenswelt auf dem Feld von 2021 bis 2025 entwickelt hat:
Es wurden ca. 200 Insektenarten über die Jahre erfasst. Die Tendenz ist steigend. Die Insekten hielten sich meist an einer der
140 Blühpflanzen auf, aber auch im Boden, an oder im Holz. Die Artzusammensetzung der Blühpflanzen hat sich nach dem Pflügen und dem Aussäen der regionalen Arten stark verändert
16 Spinnen- und 2 Weberknecht-Arten wurden entdeckt.
16 Gräserarten dominieren die Wiese; ihre Art- und mengenmäßige Zusammensetzung haben sich seit dem Ausbringen des regionalen Saatguts ebenfalls und erwartungsgemäß verändert. Auf der fetten Seite verbreitet sich langsam immer mehr Glatthafer (Arrhenatherum elatius)
12 Laubmoosarten beleben Mauern, Erde, Holz und Beton
14 Flechtenarten wurden auf und am gleichen Substrat wie die Moose gefunden
Auf Holz und Boden existier(t)en mindestens 20 Pilzarten, darunter einige unerwünschte Rostpilzarten.
links: Der Kleine Klappertopf (Rhinanthus minor) ist der neue Star des Jahres;
rechts: Pflanzen bringen auch Kunst hervor; hier präsentiert vom Gewöhnlichen Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Fotos: Brigitte Steinke, NABU Düsseldorf