
Was bei Vögeln und Säugetieren gut untersucht ist, trifft auch auf manche Insekten zu – sie betreiben Brutpflege. Bei Bienen und Ameisen ist das Verhalten ja gut bekannt, aber es gibt auch nicht-staatenbildende Insekten, die auf ihren Nachwuchs achten. Zwei Beispiele sind die Fleckige Brutwanze (Elasmucha grisea) und der Gemeine Totengräber (Nicrophorus vespillo), ein Aaskäfer.
Das Weibchen der Brutwanze bewacht ihr Ei-Gelege für zwei bis drei Wochen, indem sie auf den Eiern sitzt und sie gegen Fressfeinde wie beispielsweise Ameisen und Spinnen verteidigt. Dabei nimmt die Wanze für diese Zeit keine Nahrung zu sich. Auch die, aus den Eiern geschlüpften Larven werden mehrere Wochen gegen Feinde geschützt, indem sich die Brutwanze mit ihrem Körper gegen den Angreifer wendet.
Noch komplexer ist die Brutpflege des Totengräbers. Ein Paar dieses Käfers gräbt einen toten Kadaver, z.B. eine Maus in die Erde ein und das Weibchen legt ihre Eier in den Boden neben den Kadaver. Beide Käfer formen dann aus dem Kadaver eine Art Kugel, die langsam verwest. Die ausschlüpfenden Larven kriechen zum Kadaver hin und besiedeln diesen. Männchen und Weibchen des Aaskäfers bewachen nicht nur gemeinsam Ihren Nachwuchs, sie füttern ihre Larven auch mit kleinen Portionen des Kadavers, bis diese groß genug sind, um sich zu selbstständig zu fressen und sich zu verpuppen. Ein solches Verhalten ist bisher einzigartig im Insektenreich.