Die Silber-Weide

Pflanze des Dezembers

Abb. 1 Habitus einer Silber-Weide im Himmelgeister Rheinbogen
Abb. 1 Habitus einer Silber-Weide im Himmelgeister Rheinbogen

Im Dezember 2020 wurde an dieser Stelle die Schwarz-Pappel beschrieben. Nun soll eine weitere Art aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae), nämlich die Silber-Weide (Salix alba, Abb. 1) folgen. Vielen ist sie sicher auch oder nur unter dem Namen Kopf-Weide bekannt. Dieser Ausdruck ist allerdings kein Artname, sondern beschreibt, wie sie nach dem Beschneiden aussehen. Auch Korb-Weiden werden so beschnitten. Um die biegsamen Triebe zu ernten, werden sie nahe am Stamm abgeschnitten. Mit dem regelmäßigen Schneiden verdickt sich das Stammende allmählich und bildet die sogenannten Köpfe aus. Da Weiden sehr viele Abwehrstoffe produzieren, macht Ihnen das „Frisieren“ in der Regel nichts aus. Wird das Beschneiden später eingestellt, brechen die Bäume meistens irgendwann auseinander (Abb. 2), weil die Statik nicht mehr stimmt. Unbeschnitten können die Bäume eine Höhe von 30 m und ein Alter von über 200 Jahren erreichen. Trauerweiden sind eine Unterart von Salix alba.


Weiden gehören wie Pappeln zu den Weichhölzern und wachsen in Gesellschaft mit diesen in den mittlerweile selten gewordenen, nährstoffreichen Weichholzauen des Tieflandes bis in mittlere Höhen. Insgesamt sind sie von Europa bis Westasien regelmäßig an Flussufern, auf Überschwemmungsland oder sonstigen feuchten Gebieten zu finden. Sie mögen regelmäßige Überschwemmungen und prägen somit auch unsere Landschaft am Rhein, sofern diese noch halbwegs naturbelassen ist. Die dichten, flachen Wurzeln von Salix alba befestigen den Untergrund optimal, weshalb sie für die Stabilität von Flussufern wichtig sind. Außerdem mindern sie Hochwasserschäden.

Abb. 2 Auseinandergebrochene Silber-Weide
Abb. 2 Auseinandergebrochene Silber-Weide

Der unter Abb. 2 abgebildete Baum sieht innen nicht gesund aus. Dieses Vermodern ist normal und geschieht, weil die von den Bäumen gebildeten Gerbstoffe nicht in diesen Bereich hineingelangen. Der Baum lebt trotzdem weiter, weil sich die Wasser- und Nährstoff-Leitungen in den intakten Randbezirken des Stammes befinden. Viele Bäume werden irgendwann von innen völlig hohl und bieten vielen Tieren Quartier.

 

Die Stämme der Silber-Weide können sehr dick werden. Mit zunehmendem Alter bildet deren grau-braune Borke immer tiefere Risse und dickere Leisten (Abb. 3) – ein Paradies für Insekten und Vögel. Die im Vergleich zur Schwarz-Pappel nur angedeutete Netzstruktur der Borke geht dabei mehr und mehr verloren.

Abb. 3 Alte Weiden, wie hier an der Leine, zeichnen sich durch eine prägnante Borke aus
Abb. 3 Alte Weiden, wie hier an der Leine, zeichnen sich durch eine prägnante Borke aus

Junge Zweige sind rötlich-braun und behaart (Abb. 4b). Da sie extrem biegsam sind, eignen sie sich sehr gut zum Flechten - für Körbe, Möbel oder auch Flechtzäune. Frische Ruten bilden innerhalb weniger Tage Wurzeln, sodass man aus ihnen sogar lebende Zäune gestalten kann.

 

Auch die Blätter sind behaart; die Oberseite eher spärlich, sodass hier die grüne Blattfarbe dominant ist, die Unterseite dagegen dicht (Abb. 4a/b). Durch die Längsausrichtung der Haare schimmern die Blattunterseiten silbrig-weiß. Sowohl die wissenschaftliche (albus = weiß), als auch die deutsche Art-Bezeichnung der Pflanze rühren von diesem Aussehen her. Die Blätter sind meist lanzettlich und gehen spitz zulaufend in den Blattstiel über. Sie sind bis zu 10-mal länger als breit. Die Blattränder sind gesägt und nie an den Seiten umgebogen (Unterscheidungsmerkmal zu anderer Art).

 

Die Blätter werden sehr gerne von diversen Schmetterlingsraupen gefressen. Insgesamt wurden mehr als 25 Eulen- und Spinner-Raupen sowie die Raupen des Großen Fuchses daran gefunden. Und noch jemand liebt Weidenblätter. Es ist der Biber. Unten links und in der Mitte von Abb. 3 sieht man seine Fraßspuren. Um auch bei großen Bäumen an die Leckerbissen heranzukommen, fällt er sie kurzerhand. Rinde und junge Zweige werden ebenfalls gefressen. Die „Abfälle“ werden ggfs. für die Biberburgen verwendet. 


Abb. 4a/b Blattober- und Unterseite sind unterschiedlich stark behaart

Weiden sind wie die Pappeln zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Bäume und Blüten. Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Die männlichen Kätzchen der Silber-Weide sind nicht so flauschig weiß, wie man es z.B. von der Sal-Weide kennt, sondern gelb. Sie bilden bis zu 7 cm lange Zylinder. Die weiblichen Kätzchen sind grün und etwas kürzer. Die Samen haben ähnlich denen der Schwarz-Pappel weiße Flughaare und werden im Juni und Juli vom Wind fortgetragen.

 

Im Gegensatz zu anderen Frühblühern werden Weiden von Insekten bestäubt, vor allem von Schwebfliegen, Bienen und Faltern. Angelockt werden diese durch den Blütennektar.

 

Man sieht Silber-Weiden häufig, wie auf dem Winterfoto, in einer Reihe stehen. Sie sind ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als Zaunpfähle noch aus Holz waren. Da Weiden allgegenwärtig waren, hat man sich das Material von ihnen besorgt. Die Äste haben dann im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln geschlagen. Ihre Eigenschaft, schnell und ausgiebig zu wurzeln, macht man sich heute zur Befestigung von Abhängen und Böschungen zunutze. Wie die Flussufer werden sie in Kürze stabilisiert.


Quellen:

 

Bundesamt für Naturschutz: https://www.floraweb.de/xsql/artenhome.xsql?suchnr=5146

 

Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft: https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/184694/index.php#:~:text=Die%20eingeschlechtlichen%20Bl%C3%BCten%20(Weidenk%C3%A4tzchen)%20entwickeln,ebenfalls%20aufrecht%20an%20den%20Zweigen.

 

Text und Fotos: Brigitte Steinke, NABU; Foto 3 von Klaus Borchert, NABU, abgewandelt von B. Steinke