Die Wiesenknautie (knautia arvensis)

Pflanze des Juni

Abb. 1 Aspekt einer blühenden Wiese mit Wiesen-Knautien und Margeriten / Foto: Achim Baumgartner
Abb. 1 Aspekt einer blühenden Wiese mit Wiesen-Knautien und Margeriten / Foto: Achim Baumgartner

Die Wiesen-Knautie, auch unter dem Namen Acker-Witwenblume bekannt, wächst zahlreich auf den hiesigen Rheinwiesen und -dämmen, meist mit der Skabiosen-Flockenblume und/oder Margeriten und Glockenblumen vergesellschaftet (Abb. 1). Anders als die Skabiosen-Flockenblume gehört sie jedoch zu den Kardengewächsen (Dipsacaceae) und nicht, wie man vielleicht vermuten würde, zu den Korbblütlern (Asteraceae). Was wir gemeinhin als Blüte betrachten, ist in Wirklichkeit bei beiden Familien ein Blütenstand, der aus vielen kleinen Einzelblüten zusammengesetzt ist (Abb. 3 und 4). Die Einzelblüten sind bei den Vertretern der jeweiligen Pflanzenfamilie unterschiedlich gestaltet.


Die systematische Einordnung der Knautien in die Pflanzenfamilien scheint insgesamt nicht endgültig geklärt.

Der Name Knautie rührt von den Brüdern Knaut her, die Botaniker bzw. Arzt waren und überwiegend im 17. Jahrhundert wirkten. Der Artname „arvensis“ ist ein lateinisches Adjektiv im Sinne von „zum Acker gehörend“. Er ist bei Wiesen- und Ackerpflanzen sehr gebräuchlich. Die Herkunft des Namens Witwenblume ist kurios. Es gibt den Namen auch nur im Deutschen. Die „armen“ Blüten sollen verwitwet sein. Ihre hübschen Kronblätter weisen nämlich nur vier Zipfel auf (Abb. 2), während die der Skabiosen fünfdavon haben (sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal!). Der Knautie „fehlt" also ein wichtiges Teil.  Der Volksmund treibt hier also im wahrsten Sinne des Wortes komische Blüten.

 

Vorkommen

Knautia arvensis hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Westeuropa, kommt aber bis Westsibirien und Tunesien vor. Sie gedeiht bei uns am besten auf nicht zu nährstoff- und basenreichen Böden, die nicht zu trocken sein dürfen. Weidewirtschaft verträgt die Pflanze nicht. Man sieht Knautia arvensis häufig an den Rheindämmen und den sonnigen Wiesen.

 

Was charakterisiert die Wiesen-Knautie?

Sie ist eine, ausdauernde, krautige Pflanze, die 30‑80 Zentimeter hoch wird (Abb. 2). Die gesamte Pflanze ist behaart, wobei die Haare an Stängel, Kelchen und Blütenboden steif abstehen (Abb. 2 und 3). Sie sind immer hell. Die Blütezeit fängt jetzt langsam an, wobei die Hauptblütezeit im Juli und August ist. Ab September reifen die Samen.

 

Die meisten Blätter befinden sich bodennah in einer Art Rosette. Sie sind stets länglich lanzettlich und meistens tief eingeschnitten, im Fachjargon fiederspaltig genannt (Abb. 2). Am Stängel sind sie gegenständig, d. h. sie stehen sich genau gegenüber.

Abb. 2 Wiesen-Knautie mit Blütenständen in verschiedenen Stadien / Foto: Christoph Buchen
Abb. 2 Wiesen-Knautie mit Blütenständen in verschiedenen Stadien / Foto: Christoph Buchen

Die köpfchenförmigen, duftenden Blütenstände (Abb. 3 und 4) sind relativ flach und 3‑4 cm breit. Sie können aus bis zu 50 lilablauen Blüten zusammengesetzt sein. Die Randblüten sind meist größer. Die in der Regel 4 Zipfel der Kronblätter sind ungleichmäßig geformt und länger als die der innen liegenden Blüten. Die Kronblätter sind Richtung Blütenboden zu einer Röhre verwachsen. Nach dem Öffnen der Blüten schießen zunächst die 2‑4 Staubblätter mit ihren blauen Staubbeuteln über die Blüte hinaus. Die rosafarbenen, zweinarbigen Griffel folgen später. Der Pollen ist rot. Manche Pflanzen sind rein weiblich, d. h. sie entwickeln keine Staubgefäße. Die Blüten enthalten Nektar. Der Blütenboden ist im Gegensatz zu denen der meisten Korbblütler flach.

 

Abb. 3 Stängel und Blütenboden der Wiesen-Knautie sind mit steifen Haaren versehen. Die Blüte wird gerade von einer Honigbiene besucht. / Foto: Brigitte Steinke
Abb. 3 Stängel und Blütenboden der Wiesen-Knautie sind mit steifen Haaren versehen. Die Blüte wird gerade von einer Honigbiene besucht. / Foto: Brigitte Steinke

Die Wiesen-Knautie dient vielen Bienen und Schmetterlingen als Nahrungsquelle und Pollenlieferant. Für einige, wie die Skabiosen-Sandbiene (Andrena hattorfiana), ist die die Hauptquelle für Nektar und Pollen. Die Raupen des Skabiosen-Scheckenfalters (Eurodryas aurinia) ernähren sich überwiegend von ihr.

Abb. 4 Details eines Blütenstands / Foto: Brigitte Steinke
Abb. 4 Details eines Blütenstands / Foto: Brigitte Steinke

Die Früchte bleiben mit diversen Blütenteilen, z. B. dem Kelch verbunden, die den Samen umhüllen und so schützen. Durch die Behaarung bleiben sie an Mensch und Tier haften und werden an neue Standorte getragen. Außerdem sind die Früchte mit einem nahrhaften Ölkörper versehen, der Ameisen anspricht. Sie transportieren die Samen deshalb in ihren Bau, entfernen dort den Ölkörper und entsorgen den Samen außerhalb des Baus. So profitiert jeder davon. Die Ameisen können sich ernähren und die Pflanze bekommt ihre Samen verbreitet.

 

Knautia arvensis überdauert den Winter in Form von Rhizomen, die im Folgejahr wieder auskeimen.

 

Achten Sie einmal beim Spazierengehen am Rhein auf die blühenden Wiesen-Knautien. Sie werden sie selten ohne Insektenbesucher sehen. Da sich einige Insekten auf sie spezialisiert haben, ist sie für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig.


Quellen:

Bochumer Botanischer Verein:

https://botanik-bochum.de/pflanzenbilder/Knautia_arvensis.htm

 

R. Fitter, A. Fitter, M. Blamey, 2000: Pareys Blumenbuch, Parey Buchverlag Berlin, S. 236

 

Flora emslandia:

http://flora-emslandia.de/wildblumen/caprifoliaceae/dipsacoideae/knautia/knautia.htm

 

Bundesamt für Naturschutz:

https://www.floraweb.de/pflanzenarten/biologie.xsql?suchnr=3188&

 

Genaust, H. 1996: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser Basel. ©Springer Basel AG, S. 319.

 

Missouri Botanical Garden: http://www.mobot.org/MOBOT/Research/APweb/orders/dipsacalesweb.htm#Dipsacaceae

 

Text: Brigitte Steinke - Biologin - NABU Düsseldorf e.V.

06/2021