Die Karlssons auf dem Dach

Austernfischer erschließen neue Brutgebiete

Austernfischer-Aquarell von Christine Kammel
Die Familie der Austernfischer. / Aquarell: Christine Kammel

Wer in Düsseldorf Golf spielt, kennt sie wahrscheinlich schon länger: Die beiden schwarz-weißen Vögel, die auf dem Grün herumspazieren und mit ihrem leuchtend roten Schnabel in der Erde herumstochern. Es sind Austernfischer, die eigentlich Wurmjäger heißen müssten, denn nach Austern fischen sie nicht einmal in ihrem eigentlichen Lebensraum, der Nordseeküste.


Schon 1998 wurden sie in der Nähe des Kraftwerks Lausward beobachtet und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass es sich um dasselbe Paar handelt. Austernfischer können nämlich sehr alt werden und suchen am liebsten immer wieder die gleiche Stelle zum Brüten auf.

 

Das mit dem Brüten ist allerdings so eine Sache. Eigentlich legen Austernfischer ihre Eier einfach in Ufernähe in eine kleine Mulde am Boden. Das ist ganz praktisch so, denn die Küken, die gleich nach dem Schlüpfen schon laufen können, finden dann direkt beim Nest ihr Futter selbst.

 

Am Rheinufer war es allerdings zu trubelig. Deshalb sind die Austernfischer eine Etage höher gezogen: auf das Dach eines Hafengebäudes. Andere Austernfischer haben das auch schon öfter gemacht und sich dafür ein schön mit Flusskieseln bedecktes Flachdach ausgesucht, wie das Paar auf dem Schlossgymnasium in Benrath (siehe Link unten). Unsere Karlssons haben so etwas offenbar nicht finden können und sich stattdessen auf einem leicht schrägen Wellblechdach häuslich eingerichtet. Etwas Moos und ein paar Flechten mussten als Nest reichen.

 

Auf dem Dach fanden sie Ruhe und die Eier konnten erfolgreich ausgebrütet werden. Jetzt tauchte aber ein neues Problem auf: Hier gab es nichts zu essen. Die Karlssons haben also mit ihrem Nachwuchs das Dach verlassen – und waren danach nicht mehr zu sehen. Einige Tage später tauchten die Eltern wieder auf dem Dach auf und begannen erneut zu brüten. Die Küken schlüpften, die Familie verließ das Dach, die Küken verschwanden.

 

So ging das mehrere Jahre. Aber Austernfischer im Allgemeinen und unsere Karlssons im Besonderen sind nicht dumm. Wer gelernt hat, neue Brutgebiete zu nutzen, schafft es auch, die Aufzucht der Küken anzupassen. In diesem Jahr haben die Eltern ihre beiden Jungen einfach auf dem Dach gelassen, bis sie ausgewachsen und flügge waren. Dafür mussten sie sich allerdings sehr anstrengen, denn das Futter musste nun etwa fünf Wochen lang eingeflogen werden. Ein wahrer Kraftakt. Der Mühe Lohn: Ein Junges ist nun groß und kaum noch von seinen Eltern zu unterscheiden.

 

Wer in diesem Jahr im Juli drei Austernfischer auf dem Golfplatz sieht, weiß: Das sind die Karlssons vom Dach, die ihr Junges jetzt in der Kunst des Würmerjagens unterrichten.